Das vergessene Leben des Käpt'n Blaubär

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Andray DuFranck
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Registriert: Do 23. Mai 2019, 22:56

Das vergessene Leben des Käpt'n Blaubär

Beitrag von Andray DuFranck »

Ich wurde oft gefragt, ob im Roman "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" auch Hein Blöd auftaucht. Leider ist dem nicht so.
Also habe ich mich für das Osternick 2005 um eine Erklärung bemüht. Eine ganz spezielle Folge von "Käpt'n Blaubärs Seemannsgarn". Viel Spaß.
Andray DuFranck
Beiträge: 114
Registriert: Do 23. Mai 2019, 22:56

Re: Das vergessene Leben des Käpt'n Blaubär

Beitrag von Andray DuFranck »

Die Sprecher:
Käpt’n Blaubär (alt, mit plattdeutschem Dialekt)
Blaubär (jung, spricht hochdeutsch)
Hein Blöd*
Die Bärchen: Gelb
Grün
Rosa
Die Sandratten: Kaleu
1. Offizier (Nummer 1)
1. Matrose
2. Matrose
Haynar Plethi*
Ollarossi Plethi

* Wird von demselben Sprecher gesprochen


Das vergessene Leben des Käpt’n Blaubär

9½: Mein Leben im Sandsturm

(Musik: Alles im Lot auf’m Boot)

BB (alt): (singt leise vor sich hin) Alles im Lot aufm Boot, alles in Butter aufm Kutter…

(ruft) Kinnings, vergesst mir nicht, die Reling abzustauben. Macht mal nicht so tranich, Frühjahrsputz is ja nur einmal im Jahr.
Die Bärchen (unisono) Jaaaaaaaa, Opi.
BB (alt): Ich fang dann schon ma mit dem Oberdeck an. Hein, ich brauch den Scheuersand…
Hein Blöd: Is gut, Käpteeen.
Scheuersand kommt.
BB (alt): Neeee, Heiiiiiiin, nicht den ganzen Eimeeeeeeer…

(Klonk)

BB (alt): Au.

(Rumms)

Gelb: Hein, was hast du gemacht?
Grün: Du hast Opa erschlagen!
Rosa: Opiiiiiiiii!!!!!!

(Dramatischer Akzent, rennende Schritte)

Gelb: Mann, was für ne Beule.
Grün: Er ist nur ohnmächtig.
Rosa: Sein Dickkopp hat ihn gerettet. Kommt, wir schaffen ihn in seine Kajüte.
Die Bärchen: Hein! Stell die Sackkarre weg!
Hein Blöd: Ooooooch

(Musik)

BB (alt): Ouuuuuuh, mein Schädel.
Was iss passiert? Moument, da kommt’s wieder …
Hein, du Döspaddel. Jetzt bin ich ganz voller Scheuersand.
Moment mal. Scheuersand? Das erinnert mich doch an was …

Gelb: Hurra, es geht ihm besser.
Grün: Er ist schon wieder fast der Alte.
Rosa: (seufzt) Ja. Gleich wird er uns eine seiner ach so tollen Geschichten erzählen…

BB (alt): Jaaa, das isses. Jetzt fällt mir alles wieder ein.
Ich hab euch doch schon erzählt, wie ich als junger Bär mit den Gimpeln durch die Süße Wüste gezogen bin.
Gelb: (gelangweilt) Ja, Opi. Hast du.
Grün: (gedehnt) Schon tausendmal. Mindestens.
Rosa: Alter Hut. Kennen wir schon auswändig.
BB (alt): Und wie ich dann beinahe vom Scharach Il Allah erwischt worden wäre …
Gelb: … und dann ist im letzten Moment Anagrom Ataf dazwischen gekommen.
Grün: Kennen wir, Opi. Kennen wir.
BB (alt): (aufgebracht) Kennt ihr nich. Nich ganz.
Rosa: Kennen wir nicht? Erzähl!
Gelb + Grün: Raus mit der Sprache, Opilein.
BB (alt): Aaaaalso, wie ihr wisst, erwartete ich dort in der Süßen Wüste meinen sicheren Tod, weil ich mich nicht vor dem heranrasenden Schmirgel Gottes in den Sand einbuddeln konnte wie meine Freunde, die Gimpel…

(Musik. Die Stimme des „alten“ Blaubär wird immer leiser und geht in den kultivierteren
Tonfall des jungen Blaubär über.)

BB (jung): Das war’s dann wohl. Junger Blaubär stirbt in der Blüte seines neunten Lebens, plattgeschmirgelt von vier Kubikkilometern schleifklotzartigen Ausnahmenaturphänomens.
Ich werde wohl besser mal bewusstlos, dann tut’s nicht so weh.

(Rumms. Kurz darauf quietschende Bremsen)

1. Offizier: Kaleu, eine Panne! Lagerbruch in Antriebswelle 13!
Kaleu: Sagen Sie nichts. Lassen Sie mich raten. Dienst in dem Laufrad hat …
1. Offizier: Richtig geraten. Der hirnweiche Plethi nu wieder.
Kaleu: Holt den Trottel da raus. Wendet Gewalt an, wenn es sein muss, aber ich will diesen Unglücksraben NIE MEHR in einem Laufrad sehen!
1. Offizier: Die Reparatur kostet uns mindestens einen Tag …
Kaleu: Befehl an die Saugrohre: Wir nutzen die Zwangspause, um frischen Zucker zu bunkern.
1. Offizier: Kaleu, der Ausguck meldet vergrabene Gimpel in unmittelbarer Nähe. Wenn wir auf null gehen, kommen sie raus und dann ist unsere Tarnung futsch.
Kaleu: Walzen weiterlaufen lassen. Solange die Krach machen, bleiben die Nomaden unter der Erde. Alle Teams klar, Nummer 1?
1. Offizier: Mekhaniker bereit. Beeilt euch, Leute, damit wir nicht noch mehr Zeit verlieren. Zuckersauger anwerfen!

(Staubsaugergeräusche)

Matrose 1: (schreit) Fremdkörper-Alarm! Fremdkörper-Alarm!
Kaleu: Eine Sandflaschenpost? Oder haben wir schon wieder eine Tornadohaltestelle plattgemacht?
Matrose 2: Scheint einer von den Gimpeln zu sein, Kaleu. Eine Art blauer Bär. Offensichtlich bewusstlos.
1. Offizier: Ein blinder Passagier? Her mit ihm, wir brauchen alle kräftigen Beine, die wir kriegen können.
Kaleu: Nummer 1, so behandelt man doch keinen Gast. Und schon gar keinen dieser interessanten Wüstennomaden. Vielleicht kann er mehr als nur treten. Bringt ihn zu mir.
1. Offizier: Aaaach-tung! Gast aufwecken und hier rauf zum Kaleu bringen, marsch-marsch.
Die Matrosen: Ay-ay, Sir!

(Musik)

1. Offizier: Auf die Knie, du Wurm. Du stehst vor dem Kaleu.
Kaleu: Nummer 1! Bitte!
Wer bist Du, Fremder? Wo kommst Du her? Wo willst du hin?
BB (jung): Mein Name ist ... äh …Blaubär. Schüler des Professor Doktor Abdul Nachtigaller aus den Finsterbergen. Ich durchquere die Wüste, weil ich nach Atlantis will.
Kaleu: Nanu, ein Gimpel mit einem festen Ziel? Sehr ungewöhnlich.
BB (jung): Ich bin kein echter Gimpel, ich begleite die nur ein Stück weit.
Kaleu: Ah so. Und ich hab mich schon gewundert, wo deine Binden und deine Periskope sind.
BB (jung): Und wo bin ich hier, wenn ich mal so direkt fragen darf?
1. Offizier: Das weißt du nicht?! Unverschämtheit!
Kaleu: Nummer 1, was soll denn das? Du bist im Innern des Scharach Il Allah, in der wunderbaren Stadt TSNIPS-EG'N-RIH. Wir sind Ratten, die größten, zähesten, und gleichzeitig kultiviertesten Sandratten Zamoniens. Wir sind die Krethi!
BB (jung): Aaa-ha.
1. Offizier: Im Unterschied zu dem Gesocks, das sich dort unten in den Laufrädern abrackert. Das sind die Plethi. Ignorier sie einfach.
Kaleu: Nummer 1, ich glaube, Sie sollten jetzt besser die Reparaturarbeiten überwachen. Wegtreten!
1. Offizier: Zu Befehl!
BB (jung): Ooo-ho.
Kaleu: Erzähl mir … von Anagrom Ataf!
BB (jung): Das ist eine schwebende Stadt. Die Gimpel suchen sie. Aber sie fliegt immer wieder weg.
Kaleu: Das kann doch nicht alles sein. Was ist ihr Geheimnis?
BB (jung): Welches Geheimnis?
Kaleu: Was weiß ich? Riesige Schätze, unbegrenzte Macht, ewige Jugend, das übliche halt.
BB (jung): Keine Ahnung.
Kaleu: Du lügst.
BB (jung): Iiiich? Lügen? Welch fast schon beleidigende Unterstellung! Ich bin eine Ausgeburt an Wahrhaftigkeit!
Kaleu: An dieser Stadt muss irgendetwas besonderes sein, dass die Gimpel und viele andere Forscher sie schon seit hunderten von Jahren verfolgen. Auch wir haben sie schon etliche male gesichtet, aber sie entzieht sich hartnäckig unserem Zugriff.
BB (jung): Interessant. Wirklich. Kann ich nun gehen?
Kaleu: Noch nicht, werter Freund. Sei eine Weile unser Gast. Vielleicht fällt dir doch noch was Wichtiges zu Anagrom Ataf ein …
BB (jung): Also gut. Wenn Sie darauf bestehen.
Kaleu: Einer von den Plethi soll dich herumführen.
(schreit) Nummer 1, wer ist abkömmlich?
1. Offizier: Leider nur der … der … ich wage es nicht auszusprechen.
Kaleu: (murmelt) Der Hirnweiche? Oh Gott. Nun ja, wer weiß, wozu es gut ist.
(schreit) Er soll sich sofort hier oben melden. Und passt auf, dass er nicht
wieder in ein Abflussrohr stürzt.

(Musik)

H. Plethi: Melde mich wie befürchtet, Kaleu.
Kaleu: Darf ich vorstellen: Blaubär – Haynar Plethi. Haynar Plethi – Blaubär.
BB (jung): Sehr erfreut.
H. Plethi: Ganz meinerseits, Meisteeeeer.
Kaleu: Haynar, du wirst diesem Gast hier unsere technischen Errungenschaften
zeigen. Nur in die, du weißt schon, die hm-hm-hm-hm, da braucht ihr nicht
hinzugehen. Hast du verstanden?
H. Plethi: Alles klaaar, Kaleu. Antriebsmaschinen: zeigen, Plethibuden: nicht zeigen.
Ay-Ay.
Kaleu: Du Trottel.
H. Plethi: Oh ja, tschulligung. Ay-ay, du Trottel.
Kaleu: Arrrrrgh! Verschwinde, bevor ich mich und meinen Krethi-Schwur vergesse.
Und nimm unseren Gast mit.
H. Plethi: Bin schon wech.
Kaleu: Hoffentlich.

(Musik)

BB (jung): Die mögen dich wohl nicht besonders, wie?
H. Plethi: So isses, Meisteeeeer. Wenn ich nur wüsste, warum.
Dabei hab ich doch erst dreimal die Toilettenspülung mit der Notbremse
verwechselt Und in die Entlüftung gerat ich nur noch ganz selten, höchstens
einmal am Tach.
BB (jung): Wie schön für dich. Übrigens: Kannst mich Blaubär nennen.
H. Plethi: Ay-ay, Meisteeeeer. Kein Problem. Endlich mal ein Name, den ich mir gut
merken kann. Und ich heiß Haynar, Haynar Plethi.
BB (jung): Seltsamer Name. Ich frage mich, warum sie dich nicht …
H. Plethi: Für mein Vornamen kann ich nix. Und die Plethi, das sind wir alle hier unten.
Wir sind oberwichtig und wir wern beschützt von unseren eiiiiiiigenen
Leibwächtern. Das sind die Krethi, kapierstu das?
BB (jung): Klar kapier ich das. Sie sind die Herren und ihr seid die Sklaven, richtig?
H. Plethi: Jau … äh … ay-ay … äh … wie bitteeeee?
BB (jung): Ja, so sehe ich das. Die sich hier überall in den Laufrädern einen abrennen, das
sind doch alles deine Leute, oder?
H. Plethi: Na klahaaar. Aber sind wir dann nich die Allerwichtigsten hier inner Stadt?
BB (jung): Träum mal schön weiter. Wenn das so’n ober-ehrenvoller Job wäre, warum
reißen sich dann die Krethi nicht darum?
H. Plethi: Öh … weil sie so bescheiden sind … ?
BB (jung): (Hustenanfall) Wie nennen sie dich nochmal? Schon gut, schon gut.
Zeig mir lieber mal, wie ihr so lebt.
H. Plethi: Äh … der Kaleu hat aber gesagt, wir sollen nicht in die hm-hm-hm-hm gehn
BB (jung): Ich denke, IHR seid hier die Chefs?
H. Plethi: So hab ich das noch gaarnich gesehn. Na gut, gehnwirma.
BB (jung): Ich sag’s auch nicht dem Kaleu weiter …

(Musik)

BB (jung): Sag mal, Haynar, wo geht’s denn hier rein?
H. Plethi: Neeneeeneenee, da dürfen wir nicht rein. Da sind die Zellen, in denen die
Krethi fasten und sich zum Wohl für uns alle quälen …
BB (jung): Na, dass muss ich sehen.
H. Plethi: Bitte nicht, das iss verbouten, Meisteeeeeeer!
BB (jung): Nana, dem Gast darf man doch keinen Wunsch abschlagen.
H. Plethi: Also schööön. Aba ich hab da gar kein gutes Gefühl bei …

(Türenquietschen)

BB (jung): Hoi, das is ja mal ein Ding. Also so möcht ich mich auch mal gerne quälen
lassen. Uiuiui.
H. Plethi: Na jetzt schlächt’s aba dreizehn. Dascha die Höhe, is dascha mal. Filetsteak, Obst, Gemüse und Getränke mit kleinen Papierschirmchen drin, igittigitt. Kriegen die kein anständiges Trockenbrot mit Wasser hier?
Das ischa die reinste Folter!
BB (jung): Neiiiiin, du Döspaddel. Merkst du denn nicht, dass die hier im Überfluss leben? Oder habt ihr da unten etwa noch luxuriösere Unterkünfte mit eigener Dienerschaft?
H. Plethi: Eintlich nein, Meisteeeeer. Aber wer will das schon?
BB (jung): Um Himmelswillen, Haynar, ist euch Plethi denn vollkommen der Verstand eingetrocknet? Ihr rackert euch in den Laufrädern ab wie die Blöden und die Herren Krethi machen sich inzwischen einen faulen Lenz. Das kann doch nicht angehen!
H. Plethi: Ja… aber… die riskieren doch tachtächlich ihr Leiben für uns, wenn sie uns schützen unn unsere Feinde massakrieren …
BB (jung): Ich fass es nicht. Hast du sie dir mal genauer angeschaut? Wann haben die wohl zum letzten Mal gekämpft? Höchstens mit dem Nachtisch. Das einzige Risiko, das die auf sich nehmen, ist, ob sie es rechtzeitig schaffen, von der Massagebank an die Mittagstafel zu kommen.
H. Plethi: Meinstu wiiiiiklich?
BB (jung): Schon gut. Vergiss es. Lass uns jetzt zu den … äh … Plethibuden gehen.
H. Plethi: Das is mir recht. Hier lang biddeeee.

(Musik)

H. Plethi: Was kauste denn daaa?
BB (jung): Gimpkügelchen. Schmeckt gut. Willst du welche?
H. Plethi: Na klaar. Oh, danke… (schmatzt, kaut) OH! HE! WAS ISSEN DAS? MEINE BEINE! HILFE!
BB (jung): Haynar? Wo rennst du denn hin? Anhalten! Anhalten!
H. Plethi: (sich entfernend) Ich kaaaaannnnnn niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiicht!
BB (jung): Oh nein, das Gimp! Ausspucken! Spuck das verdammte Gimp aus!
(Scheppern in der Ferne)
Oh je! Jetzt hat er die Kurve nicht mehr gekriegt.
Tut mir furchtbar schrecklich. Lebst du noch, Kumpel?
H. Plethi: Auwei, meine Omme!
BB (jung): Na, zum Glück ist nichts Wichtiges verletzt.

(Musik)

BB (jung): Mein Gott, was für ein Gestank. Nähern wir uns den Latrinen?
H. Plethi: Spinnst du? Das ist der Duft der Heimat. Hier leben wir, die großartigen Plethi!
BB (jung): Ah … wirklich? Interessant … Toller Müll hier. Uh … was ist das? Eine mumifizierte Leiche? Den Totengräber her, aber rasch!
H. Plethi: Blaubär, spinnst du? Das ist doch Ollarossi Plethi, die älteste und weiseste Ratte hier in der Stadt.
BB (jung): Äh … äh … Sehr erfreut. Oder so.
Ollarossi Pl.: Wassis?
H. Plethi: (mit Ehrfurcht) Großer Ollarossi, habe die Güte, uns mit deiner Weisheit zu erleuchten. Los, sag was Hochgeistiges.
Ollarossi Pl.: Wassis? Wo bleibt mein Haferschleim?
H. Plethi: Nee, was anderes!
Ollarossi Pl.: Ich hab mir in die Hose gemacht.
H. Plethi: Nee, noch was anderes!
Ollarossi Pl.: Ich will jetzt sofort meinen Haferschleim, oder … au! Du Jungspund wagst es, einen alten Mann zu … au! … Na gut. Aber warte nur nachher …
H. Plethi: Er is gerade nicht in Stimmung. Komm, Meisteeeer, wir gehen jetzt lieber …
BB (jung): Haynar! So blöd KANNST DU doch gar nicht sein! Jetzt mach doch deinem Rattenopi mal klar, dass ihr euch hier unten im Dreck totschuftet, während eure ach so tollen Plethi leben wie die Maden im Speck!
H. Plethi: Äh … großer Ollarossi … ich glaub … äh …der Blaubär hat Recht mit dem was er sacht, … äh … glaub ich mal …
Ollarossi Pl.: Hä? Ach wirklich? Schlimm, schlimm ist das. Traurig, traurig, traurig. Aber so ist das eben. Du kannst dich jetzt entfernen. WO BLEIBT MEIN HAFERSCHLEIM?
BB (jung): Na? Und? War’s das schon?
H. Plethi: Hastu doch gehört, Meisteer. Komm, biddebidde, lass uns jetzt besser zurückgehn.
BB (jung): Aber ihr könnt doch nicht einfach … Ihr müsst doch … PROTESTIEREN MÜSST IHR! ÄNDERN MÜSST IHR DAS! STREIKEN MÜSST IHR!!!
Ollarossi Pl.: Kinder … meine Kinder … hört nicht auf den Krakeeler! Denkt an unsern Schwur:
(mit erhobener Stimme) „Krethi, den Plethi zu dienen bereit
Beuget den Rücken in Dankbarkeit!
Rühret die Hände und schwinget das Bein!
Stark ist der Plethi, schlau muss er nicht sein!
BB (jung): Ich kann’s nicht glauben. Das habt ihr alle geschworen?
H. Plethi: (voller Stolz) Jahaaaaaaa! Und das nehm wir auch richtig ernst.
Ollarossi Pl.: Niemals wird ein Plethi gegen die Krethi aufbegehren!
H.Plethi: Akzeptier’s doch, Meisteeeer. Du kannst da nix dran ändern.
(kurze Stille)
BB (jung): Moooooment mal. Vielleicht doch. Mir kommt da grade ne Idee.

Kaleu: Meldung, Nummer 1. Wie geht`s voran?
1. Offizier: Zuckeraufnahme abgeschlossen! Reparatur kurz vor dem Abschluss.
Kaleu: Na endlich. Was macht unser Gast? Plaudert er fleißig?
1. Offizier: Bitte um Verzeihung, Kaleu, aber ich weiß nicht, ob das eine gute Idee war. Dieser blaue Bär riecht mir zu sehr nach Aufrührer, dem traue ich nicht über den Weg.
Kaleu: Ach was, Nummer 1, Sie sehen Gespenster! Was kann so ein einzelner Nomade schon …

(Alarmsirenen, lautes Grollen)

Um Himmelswillen, was war das denn?
1. Matrose: Alarm! Alarm!
Kaleu: Bericht! Schnell! Was soll dieses infernalische Geschüttel?
2. Matrose: Kaleu! Kaleu! Die Plethi in den Laufrädern …
1. Matrose: Sie drehen völlig durch …
Kaleu: Das merke ich! Bremsen auf Maximum!
1. Offizier: Die Maschinen laufen auf Hochtouren. Wenn wir weiter bremsen, zerreißt es die ganze Stadt!
Kaleu: Alle Energie auf die Ansaugrohre umleiten! Matrose, was macht dieser verfluchte Blaubär da unten?
2. Matrose: Ich glaube, er gibt eine Runde Bonbons aus …
1. Offizier: Ich bring ihn um! Und diesen dämlichen Plethi gleich mit …
1. Matrose: Meldung vom Ausguck: Kaleu, wir saugen da was an …
Kaleu: Was denn? Hier ist doch weit und breit nichts!
2. Matrose: Ausguck meldet: Fliegende Stadt auf Kollisionskurs!
1. Offizier (resigniert) Oh mein Gott, wir werden alle sterben!

BB (jung): (brüllt über den Lärm hinweg) Herr Kaleu! Herr Kaleu! Können Sie mich hören?
Kaleu: Nummer eins, fragen Sie ihn, was er will.
BB (jung): Ich glaube, Sie haben da ein Problem …
Kaleu: Wir! Haben! KEIN! Problem! Und mit Plethi verhandeln tun wir schon gar nicht!
(bei sich) Verflucht, wie macht der das bloß?
1. Matrose: Ausguck meldet: Stadt nähert sich stetig. Kollision in zwei Minuten, wenn wir die Sauger so weiterlaufen lassen.
Kaleu: Neiiiiiin!
1. Offizier: Kaleu, soll ich ihn umlegen?
BB (jung): Haynar, verteil nochmal Gimp. Ist genug für alle da.
Kaleu: Aufhören! Meine Stadt, meine schöne Stadt! Ihr macht ja alles kaputt!
2. Matrose: Ausguck meldet: Kollision in einer Minute!
1. Offizier: Keine Angst, Kaleu. Das halten wir schon aus!
Kaleu: Aber die fliegende Stadt nicht, Sie Idiot. Mein Anagrom Ataf! Ihr macht es mir kaputt! Halt! Stopp! Aufhören! Ich verhandele! Ich tue alles, was ihr wollt, aber stellt die Sauger ab!
BB (jung): Na, das klingt schon mal besser. Haynar, sag den Läufern, sie können jetzt rausspucken.

(der Lärm verstummt)

Herr Kaleu, da sind ein paar Leute, die mit Ihnen reden wollen.
Ollarossi Pl.: Ich will lenken, ich will lenken!
H. Plethi: Gleich. Gleich.
BB (jung): So, das wär’s wohl. Ihr habt sie in der Hand. Die sind weichgekocht. Und wenn sie Tricks versuchen … ihr habt ja noch das Gimp.
Kann mich mal jemand zum Ausgang bringen? Draußen warten ein paar Freunde auf mich.
1. Offizier: Kein Problem, werter Gast …
BB (jung): Au!

(Poltern eines umfallenden Körpers)

Kaleu: Nummer eins! Sind Sie verrückt? Warum haben Sie ihn außer Gefecht gesetzt?
1. Offizier: Dieser Griff löscht sein Gedächtnis. Er darf sich nicht an uns erinnern. Unsere Tarnung wäre dahin!
Kaleu: Das hält doch nicht an! Irgendwann fällt’s ihm wieder ein!
1. Offizier: Frühestens in 50 Jahren. Das wird reichen. Matrosen, werft ihn raus!
Die Matrosen: Ay ay, Sir!
H. Plethi: … und damit, großer Ollarossi, wird das Sandschiff gesteuert
Ollarossi Pl.: Hihi. Haha. Fein! Ruder hart Backbord. Volle Kraft voraus! Haha, das macht Spaß!
1. Matrose: Hart Backbord, volle Kraft voraus! Ay ay, Sir!
Kaleu: Neiiiin, nicht! Meine Stadt, meine fliegende Stadt!
1. Offizier: Ich bring ihn um, ich bring diese hirnlose Ratte um!
Kaleu: (weinend) Wir dürfen keinen Plethi töten, wir haben’s geschworen, wir Trottel!
1. Offizier: Dann schmeiß ich ihn raus, wenn wir das nächste Mal am Großen Wald vorbeikommen. Da soll’s ein Monster geben, das wird schon kurzen Prozess mit ihm machen …
Kaleu: Aber das dauert noch Jahre … Oh nein! Festhalten!
H. Plethi: Und hier, großer Ollarossi, schaltet man in den Rallye-Gang … glaub ich …
Ollarossi Pl.: Hui … Hui …
1. Offizier: (langsam schwächer werdend) Hiiiiiiiillllllllffffffffeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee …

BB (alt): Tscha, Kinnings, so war das. Wie ich wieder zu mir gekommen bin, hab ich nur noch die Fatamorganastadt gesehen und im Hintergrund ist der Scharach Il Allah mit Volldampf davongebraust. Jou, und den Rest kennt ihr ja.
Die Bärchen: Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa.
Rosa: Du, Opi, weißt du eigentlich …
Gelb: … was aus Haynar Plethi geworden ist?
BB (alt): Tscha, wenn ihr mich so fragt … ich hab keinen blassen Schimmer. Äh … äh … aber … da fällt mir noch was ein …
Grün: Was denn, Opi?
BB (alt): Dass ich meine letzten Gimpkügelchen hier in die Nachttischschublade getan habe. Da, seht nur selbst. Na, Hein, magste mal eine probieren?
H. Blöd: Iiiiiich? Neiiiiin! Neiiiiiin! Ich renn ja schon, ich putz ja schon, aber kein Gimp mehr, Käpteeen, kein Gimp bitte bitte …
BB (alt): Nanu! Was ist denn auf einmal in den gefahren?
Rosa: Keine Ahnung. Vielleicht eine Phobie …
Gelb: Ja. Angst vor Bonbons …
Grün: Hmmmmmm … oder vor heißen Füßen.

(Gelächter, Schlussmusik)
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